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So / 1, “Ein Schaf fürs Leben” von Maritgen Matter, geb., 63 S., 9,90 Euro, humoriges Bilderbuch für Kinder und Erwachsene über die beginnende Freundschaft zwischen einem Wolf und einen naiven Schaf, ab 8 Jahren Wolf zieht seinen Schlitten durch den Schnee und ärgert sich, daß er nur
noch eine Flasche Wein daheim hat und er deshalb außer Haus essen muß, sein Hunger ist gewaltig. Als er auf einer Anhöhe steht und auf einen einsamen Bauernhof mit gemütlichem Licht hinter den Fenstern sieht denkt er „Das sieht mir
nach einem netten Restaurant aus“ und fährt frohgemut den Hügel hinunter. Als er durch die Stalltüre lugt sagt er in das warme Dunkel mit seiner tiefsten Baßstimme „Guten Abend“ und hört als Antwort ein feines Stimmchen „Wer ist
da ?“. Das beruhigt ihn, denn das klingt nach einem Schaf, das ganz allein im Stall liegt. „ ,Wir wollen die Sache mit Stil angehen’, murmelte der Wolf . Er nahm seine Mütze ab und fuhr sich mit einem Elfenbeinkamm durchs Haar.
,Was ist ?’ rief Schaf mit spitzer Stimme. ,Wird das noch mal was ?’ Was war das für eine merkwürdige Gestalt an der Tür ? Was wollte dieses Wesen mitten in der Nacht im Stall ? Wolf lehnte sich locker an den Türrahmen. ,Verzeihen
Sie, daß ich Sie in ihrer Nachtruhe störe, aber die Sache ist die, dass es mich, der ich ein Wolf bin, ziemlich dringend nach einem Häppchen verlangt.’ ,Was ?’ fragte Schaf. ,Hunger’, antwortete Wolf. Er ging auf knirschenden
Sohlen drei Schritte näher heran. ,Ach so’, sagte Schaf. ,Sag das doch ! Wir haben hier Hafer, altes Brot und Heu. Nimm dir, was du willst !’ ,Haben Sie nichts anderes ?’, fragte Wolf.“ Es wird klar, daß Fräulein Schaf
offensichtlich nicht aufgeklärt wurde über die Feinde der Schafe. Als Wolf den Vegetarier – Vorrat ablehnt meint es, daß er wohl doch keinen richtigen Hunger habe. Da täuscht es sich aber. Als sich Wolf in Schafs Bett
schwingt droht es, den Hund zu rufen, weil das sein Bett sei, und so denkt sich Wolf, daß bei diesem Theater noch alle wach werden und er das Schaf wohl herauslocken muß. Er erzählt Schaf, daß er mit ihm eine Schlittenfahrt
unternehmen wolle und daß es auf Erfahrungen im Leben ankomme. Wo „Erfahrungen“ liegt möchte Schaf wissen und ist ganz hingerissen von den Antworten Wolfs, den es ganz verträumt für einen Dichter hält. Als er in Erwartung einer
saftigen Mahlzeit guter Dinge und summend den Schlitten den Hügel hinaufzieht fragt ihm Schaf ein Loch in den Bauch über „Erfahrungen“, wie es dort wohl aussieht und über der wachsenden Begeisterung von Schaf bekommt Wolf einen
komischen Knoten im Magen... „,Doch was ich am liebsten mag...’sang Wolf. ,Das ist Hafer jeden Tag !’ johlte Schaf ausgelassen. ,Oder Schaffleisch mit Belag’, sang Wolf mit sich überschlagender Stimme. ,Was ?’, rief Schaf gegen
den Wind. ,So eine Kälte heutzutag’, sang Wolf schnell. Ein richtiger Dichter, dachte Schaf, er schüttelt es einfach aus dem Ärmel.“ Auf dem See angekommen, wo Wolf eigentlich seine Schaf – Mahlzeit einnehmen möchte ist Schaf
ganz erschrocken über sein eingefallenes Aussehen, er müsse dringend etwas essen, aber abgesehen davon, daß es im Winter keine Beeren und Wurzeln gibt meint Wolf, darauf hätte ein Wolf so gar keinen Appetit. Da wird klar, was Wolf
will, ja genau .“,Fisch’, rief Schaf. ,Natürlich! Wir schlagen ein Loch ins Eis und dann hängst du deinen Schwanz rein und dann...’ Fisch, dachte Wolf. Na gut, als Vorspeise. Und danach dann ein frisches Stück Schaf. Ein nettes
Schaf ist es, das muß ich zugeben. Auf dem Rückweg wird’s ganz schön still sein.“ Aber es wird keinen Rückweg für Wolf geben. Als sie gemäß Schafs Idee auf dem Eis Seilchen springen, um das Loch gemeinsam hineinzustampfen ist
Wolf so mit seinem Lied „Kleines Schaf, du kommst um ! Und dann gibt’s Schaf mit Basilikum“ beschäftigt, daß er den Knacks überhört und nicht wie Schaf zur Seite springt, sondern geradewegs im eiskalten Wasser landet. Wie Schaf
den Wolf letztlich mit guten Überlegungen und überschaflicher Kraft rettet und wie Wolf dann Schaf aus Zuneigung vor ihm selbst rettet liest sich genauso amüsant wie der Anfang. Diese Geschichte ist eine Frage des Humors
mit dem archaischen Thema, daß der als Bösewicht geltende Wolf von dem unglaublich arglosen Vertrauen des schwächeren Schafes so tief in seinem Herz gerührt wird, daß ihm diese Zuneigung sogar wichtiger als sein Überlebenstrieb
ist. Eine Läuterung ist immer etwas Schönes, aber selten geschieht sie für Außenstehende so witzig wie in diesem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Buch.
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