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I / 3 a, “Nacht auf dem Wolkenberge” von Kate Thompson, Taschenbuch, 214 Seiten, 8 Euro, Hauptfigur Mädchen, ab 12 Jahren für beide Geschlechter, als Schullektüre geeignet ca. 7. / 8. Klasse

Dieser dichte Roman für größere Kinder mischt ursprüngliches Gesellschaftsleben mit Fiktion und Fantasy in einer sehr spannenden und eindringlichen Geschichte.

In einer Dorfgemeinschaft am Fuße eines hohen Berges wächst die Erzählerin auf. Sie ist nicht nur durch ihre Gedanken, sondern auch durch ihre Handlungen eine Außenseiterin, die sich mit vielen fest verankerten Lebensgewohnheiten und Vorschriften nicht identifizieren kann. In diesem Dorf sind die Menschen mehr aufeinander angewiesen, insofern treffen sie sich alle einmal im Monat in ihrem Gemeinschaftshaus und tauschen sich aus. Ab dem vierzehnten Lebensjahr ist es für ein Mädchen möglich, hier ein Großes Gelöbnis vorzutragen, ein Schritt in die Welt der Erwachsenen. Die Erzählerin hat es damit im Gegensatz zu anderen Jugendlichen nicht eilig damit und findet diese Versammlungen ohnehin sehr langweilig, weil sie sehr vorhersehbar sind.

In diesem Dorf gibt es zwei sehr ungewöhnliche Wesen : das eine sind Tschuffis, für jeden Menschen ein eigenes, das einen ganz liebevollen und kuscheligen Charakter hat und nicht nur die negativen Emotionen von seinem jeweiligen Menschen fern hält, sondern auch noch als eine Art Haussklave dient. Das andere sind die Trickser, die in der Dunkelheit heulend und leuchtend durch die Nacht fliegen und offensichtlich den Menschen nicht wohl gesonnen sind. Deshalb darf auch kein Mensch um diese Zeit hinaus und nur bei Vollmond gibt es keine nächtlichen Störenfriede, weshalb dies auch der Zeitpunkt für die Zusammenkünfte ist. Ein weiteres Verbot ist das Besteigen des hohen Berges, um den sich bei Nachfrage sehr vage Geschichten ranken.

Die junge Erzählerin ist schon durch ihre Allergie eine Außenseiterin, da sie gegen die Tschuffis allergisch ist und sich auch deshalb meistens draußen aufhält und ihren eigenen Gedanken nachhängt. Bei einer Zusammenkunft schockiert sie alle Dorfbewohner mit dem Gelöbnis, einen Trickser zu fangen. Ihre ohnehin nicht sehr verständnisvolle Mutter ist in Tränen aufgelöst und wird von Freundinnen und Tschuffis bedrängt, die alte Hemmy aber, eine eigenwillige Greisin fordert sie freundlich auf, mit ihr zu gehen. Bei Hemmy zuhause stellt sich heraus, daß die alte Frau Vieles zum Thema Trickser weiß und wichtige Hinweise für das bevorstehende Vorhaben geben kann.

Die Reise wird schwierig und das Mädchen hat mit vielen Widrigkeiten und Zweifeln zu kämpfen, erweist sich aber als sehr tapfer und ausdauernd und wird am Ende sogar von den Dorfleuten gefeiert, weil sie eine überlebenswichtige Entdeckung für das Dorf gemacht hat.

Der Leser erfährt den Namen der Ich- Erzählerin nicht, dafür aber umso mehr von ihren Gedanken und Gefühlen. Sie beschreibt ihre Umgebung und das Dorfleben und der Leser taucht ein in eine Welt, in der die soziale Abhängigkeit voneinander ungleich größer ist als in unserer heutigen Welt und die Menschen sich instinktiv schon deshalb anders verhalten. Durch ihre Allergie ist sich die Erzählerin zum einen oft selbst überlassen und kann sich nicht der Neutralisierung ihrer Emotionen durch die Tschuffis bedienen, insofern liegt es nahe, daß sie andere Gedanken entwickelt als die weichgespülte Gemeinschaft um sie herum. Einem aufmerksamen Leser kommt auch bald ein Verdacht, was es mit den Tricksern auf sich hat, die Autorin bedient sich hier des Gedankens des Energieausgleichs und der logischen Folge unserer Handlungen.

“Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert:” Insofern entwickelt die unverstandene und als Schwarzes Schaf der Familie fungierende Erzählerin eine Haltung nach dem Motto “Ist ja egal, was ich mache, ich kann’s ja sowieso nicht recht machen”. Dieser ganz natürlichen Entwicklung sind ja leider viele Kinder und später Erwachsene unterworfen, die nicht ganz so funktionieren, wie die Umgebung es gerne hätte; so trennen sich emotional von dieser Umgebung, obwohl sie ursprünglich gerne dazu gehören wollten, aber in ihrer Persönlichkeit nicht akzeptiert wurden. Durch ihr Gelöbnis, mit dem sie alle schockiert und sich noch mehr isoliert macht sie diesen Bruch nach außen hin deutlich. Vielleicht möchte sie unbewußt auch zurückgehalten werden, vielleicht möchte sie alle aufrütteln, die sich mit der Situation abgefunden haben und weder mehr wissen wollen, noch etwas dagegen unternehmen, jedenfalls findet sie in der alten Frau eine Hilfe, die ihr auch gefühlsmäßig ein Halt ist bei ihrer gefährlichen Reise.

Man sieht, daß alles auch seine Kehrseite hat, denn ohne ihre Allergie hätte sie sich vielleicht ebenso einlullen lassen und wäre den bequemeren Weg gegangen, so aber konnte sie Festigkeit und Ausdauer entwickeln und möglicherweise kommt ihr auch eine gewisse Trotzhaltung zugute, die sie nicht ohne positives Ergebnis ins Dorf zurückkehren läßt. In einer verständnisvollen Familie hätte sie vielleicht ein freundlicheres und offeneres Wesen entwickeln können und wäre durch ihre Unsicherheit nicht so arrogant gegenüber den anderen geworden, und wahrscheinlich nicht als Einzelgängerin auf den verbotenen gefahrvollen Berg gestiegen.                                                                                        

Auf dieser Reise wird das Mädchen erwachsen und als sie ins Dorf zurückkehrt erkennen das auch die anderen. Ihr Leben wird sich sehr ändern, aus der Ausgestoßenen ist ein wichtiges Mitglied der Gemeinschaft geworden.

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