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II / 1 e, “Nur noch das rote Kleid”, von Susanne Fülscher, 152 S., TB, 7,00 Euro; Roman über einige Monate im Leben eines kaufsüchtigen Mädchens, hauptsächlich für Mädchen ab 13 Jahre Wenn Steffi von sich erzählt entsteht der Eindruck, sie sei mit ihren 17 Jahren ein
durchsichtiges Nichts, das von Niemandem Beachtung erfährt. Alle anderen haben schönere Kleidung, tollere Haare, längere Beine und leider auch viel mehr Geld, um sich die peppigen Markenklamotten zu kaufen. In ihrer Klasse gibt es
drei Gruppen : die mit den echten, „coolen“ Teilen, diejenigen, die sich mit weniger Geld und billigeren Kopien davon zufrieden geben müssen und die paar, die sich in „Egal – Sachen“ kleiden. Natürlich gehört Steffi zur zweiten
Gruppe, was noch mehr schmerzt, weil ihre beste Freundin Mia einen stinkreichen Vater hat, insofern trägt seine Tochter ihr teures Outfit mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit, die Steffi ihr graues Maus – Dasein noch
stärker empfinden läßt. Zu Hause ist es ziemlich langweilig und ihre Chaotenschwester geht ihr auch auf den Wecker, also geht sie nach der Schule in die Stadt, denn dort gibt es immer was für sie : ob ein Lippenstift
im Sonderangebot, eine Kette, einen Slip, auch für ihre begrenzten finanziellen Verhältnisse findet sich immer ein Objekt, um das Geld so schnell auszugeben, daß nach arithmetischen Gesichtspunkten niemals die super Markenjeans
bzw. die ersehnte Lederjacke herausspringen kann. Hier ist „das wahre Leben“, nur beim Einkaufen verspürt sie dieses Kribbeln und mit jedem neuen Teil geht es ihr ganz bestimmt besser, als vorher. Daß sie noch keine
Erfahrung mit Jungs hat liegt natürlich auch an ihrer starken Brille, aber das wird sich ändern, wenn sie sich heimlich Kontaktlinsen kauft, die ihre Eltern aus gesundheitlichen Gründen strikt ablehnen. Da ihre 40 Euro Taschengeld
dafür viel zu knapp sind nimmt sie einen kleinen Aushilfsjob in einem Friseursalon an, den ihre neue Freundin ihr verschafft. Connie ist wirklich eine tolle Freundin, so originell und ihr kann sie alles sagen. Von Mia, ihrer
Freundin seit Kindergarten Zeiten hat sie sich etwas entfremdet, sie ist es leid, immer nur neue Geschichten von verschiedenen Jungs zu hören und immer nur die Figur am Rande zu sein. Connie ist ganz anders und Steffi ist
überrascht, als sie hört, daß Connie in ihrer Heimatstadt wenig Freunde hatte, so lässig und selbstsicher, wie sie wirkt. Connie kommt auf die Idee, daß Steffi mit ihr nach Griechenland fahren könnte und die beiden schaffen es
auch, die Eltern dazu zu überreden. Ein bißchen für die Urlaubskasse leiht sie sich von Mia, erst 200 Euro, dann noch einmal die gleiche Summe, nachdem sie sich für 100 Euro einen Bikini und ein Strandkleid gekauft hat. Das ist
zwar schon viel Geld, zumal sie einen Bikini hat, aber wenn man schon einmal nach Griechenland fährt... Der Anfang des Urlaubs in einem kleinen Nest auf Kreta ist traumhaft schön : das Meer, die Bucht, die Sonne,
Connie mit ihrer guten Laune, die Bar. Dort lernen sie auch Kalle und Bob kennen, mit denen sie sich angeregt unterhalten und Kalle würde Steffi schon gefallen... Der aber erwählt sich Connie und nach einer nicht sehr angenehmen
Nacht mit den beiden im gemeinsamen Appartement ist Steffi sauer, schnappt sich ihr Geld und fährt damit in die nächste Stadt, wo ihr neben Schuhen, einem T-Shirt und mehreren Lippenstiften auch ein wunderbar figurbetontes rotes
Minikleid für satte 80 Euro in die Einkaufstaschen springt. Das war ihr letztes Geld, Connie wird ihr noch was borgen. Das tut diese auch den ganzen Urlaub über, der dann allerdings nicht mehr ganz so toll ist, weil Kalle weiter
zieht, während Steffi einem netten einheimischen Jungen gefällt. In Deutschland wird das Verhältnis auch nicht besser und Steffi wendet sich wieder Mia mit dem unerschöpflichen Taschengeld zu, überredet den Filialleiter der Bank,
ihr einen Überziehungskredit einzuräumen und kauft sich nicht nur endlich die ersehnte Jeans und Lederjacke, mit denen alles besser wird... Und dann greift sie in die Kasse im Friseursalon. Und Connie, die keine höhere Schule
besucht hat, Connie, die ihre tollen Klamotten selbst näht, Connie, der Steffi nur noch aus dem Weg geht hilft ihrer Freundin mit soviel Lebensklugheit, daß Steffi sich danach richtet und nach anfänglichem Sträuben gegenüber
eindeutigen Regeln aufatmet und wirklich stolz auf sich sein kann. In diesem Roman wird erzählt, wie ein Mädchen in ein Fahrwasser gerät, das sich aus unerfüllten Träumen nährt, aber auch die Hilfe aus dem Teufelskreis.
Ersatzbefriedigungen bieten sich in einem wohlhabenden Land haufenweise an, je höher der Selbstwert und intakter das Gefühlsleben ist, umso geringer ist der Bedarf an Konsumgütern, Drogen, wechselnden Liebespartnern, Seifenopern,
Essen und was unser Leben noch an Ausweichmanövern zu bieten hat.
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